50 Jahre colahaltige Kultbrause

Bis heute Kultgetränk in den Neuen Ländern: Vita Cola

Das colahaltige Erfrischungsgetränk mit Zitronengeschmack war eine Eigenentwicklung der DDR. Heute wird es nur im Osten der Republik vertrieben.

In diesen Monaten feiert ein Kultgetränk seinen 50. Geburtstag, das die meisten Menschen in Deutschland gar nicht kennen. Die Limonade Vita Cola ist wie kaum ein anderes Produkt Ausdruck ostalgischen Lebensgefühls.

Das unter anderem im mecklenburgischen Bad Doberan - außerdem im thüringischen Schmalkalden und im sächsischen Lichtenau - abgefüllte Erfrischungsgetränk mit einem für Colagetränke ungewöhnlichen Zitronengeschmack, wird nur im Beitrittsgebiet vertrieben. Die vielen Im Westen im „Exil“ lebenden einstigen Kunden werden neuerdings über das Internet bedient.

Betont ostdeutsch

„Jung, szenig und ostdeutsch“ – so sehen die Manager in Lichtenau ihr Produkt, das im Osten Platz zwei des Marktes für Erfrischungsgetränke einnimmt. Das Ziel ist aber, Marktführer zu werden. Dem dient ein vor kurzem aufgepeppter Internetauftritt. Das Unternehmen ist zu seinem Ziel auf gutem Wege. Im Vorjahr wuchs der Absatz mit einem durchschnittlichen Plus von 1,1 Prozent in einem mehr oder minder stagnierenden Markt um beachtliche neun Prozent. Mit inzwischen drei Geschmacksrichtungen, eine ohne Zitrone, eine ohne Zucker, wurden 2007 56 Millionen Liter vertrieben. Mit einer einst in der DDR verwendeten Flasche in Neuauflage soll ostdeutsches Gemeinschaftsgefühl gefördert werden.

Das für westliche Geschmacksnerven gewöhnungsbedürftige Getränk kam erstmals im Sommer 1958 in die HO-Kaufhallen. Wobei dem westlichen Leser erklärt werden muss, dass „HO“ für die staatliche Handelsorganisation stand. „Brauselimonade mit Frucht- und Kräutergeschmack“ war die offizielle Bezeichnung. Es bedurfte eines langen Schriftwechsels mit den zuständigen Behörden, ehe der Markenname „Vita-Cola“ zugelassen wurde. Wobei das Wort „Brause“ zwar norddeutschen Lesern nicht besonders erklärt werden muss, aber südlich der Mainlinie kennt man es nicht und auch im Norden kommt diese Bezeichnung für Limonaden mehr und mehr außer Gebrauch. In der DDR war besonders die „Fassbrause“, einst eine Berliner Spezialität, ein Begriff.

Der zweite Fünf-Jahres-Plan war Vater

Auf den Markt kommen konnte das neue Getränk aufgrund des zweiten Fünfjahresplans der DDR. Der hatte zwei Jahre zuvor gefordert, die Versorgung der Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates mit alkoholfreien Getränken zu verbessern. Daraus resultierte ein Auftrag an die Chemische Fabrik Miltitz in Sachsen, ein koffeinhaltiges Getränk nach westlichem Vorbild zu entwickeln. Dort kamen die Chemiker dann auf die Idee, einen Spritzer Zitrone dem neuen Produkt zuzufügen.

Colagetränke wurden zwischen Elbe und Oder schnell populär: Neben Vita Cola als Marktführer gab es bald auch Produkte mit den Namen Quick, Club, Stern, Asch, Disco und Inter. Abgefüllt wurde das süße Gesöff in bis zu 200 Betrieben. Was dafür spricht, dass es nach westlichen Maßstäben meist Kleinbetriebe gewesen sein müssen. Die Nachfrage war so groß, dass schließlich sogar Pepsi erlaubt wurde, in Rostock abzufüllen. Die im Westen weit verbreiteten gesundheitlichen Bedenken gegen colahaltige Getränke waren den östlichen Gesundheitsdiensten völlig fremd.

Nach der Wende ging es Vita-Cola und seinen Schwestern wie vielen anderen Ostprodukten. Gegenüber den nun begehrten Westerzeugnissen konnte sich das Erfrischungsgetränk nicht auf dem Markt halten. Aber schon 1994 erlebte Vita-Cola die Wiedergeburt. Die Thüringer Waldquelle übernahm die Markenrechte. Inzwischen gehört das Erzeugnis der hessischen Hassia-Gruppe. Die hat die Erzeugung aus den roten Zahlen heraus geführt.

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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